Aktuelle Mitteilungen des Landesfischereiverbandes MV e.V.

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Beratung des LVKK MV zum Heringsfang mit Minister Backhaus in Tarnewitz

Auf Einladung des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern (LVKK) kam am 1.8.2018 Minister Dr. Till Backhaus in den Fischereihafen Tarnewitz (Boltenhagen), wo eine intensive Diskussion über aktuelle Probleme der Fischer stattfand. Die anwesenden Fischer aus u.a. Freest, Hiddensee und dem Wismarer Raum hatten daneben die Landrätin, Kerstin Weiss, und den Bürgermeister, Herrn Christian Schmiedeberg, zu Gast. Die ca. 30 Anwesenden wurden von der Landrätin, vom Bürgermeister der auch als Leiter der Fischereiaufsichtsstation Wismar arbeitet, von Fischer Uwe Dunkelmann als Gastgeber als auch der neuen Vorsitzenden des LVKK llona Schreiber begrüßt. Alle waren an Lösungen im Interesse der Fischer und dem Erhalt dieses Handwerks interessiert.

Einleitend stellte Ilona Schreiber die Situation aus Sicht des Verbandes dar. Die Entwicklung der Küstenfischerei wird deutlich an der Abnahme der Anzahl der Fischer von 1300 zur Wendezeit auf aktuell noch 238 Haupterwerbsfischer in MV. „Wenn das so weiter geht, gibt es bald keine Fischer mehr“, sagte sie. Damit geht nicht nur ein traditionelles Handwerk verloren, auch dem Tourismus an der Ostseeküste fehlt dann ein wichtiger Anziehungspunkt. Und was wären die Häfen ohne frischen Fisch? Noch sitzt der Schock tief, als am 31.5.18 die Empfehlung des ICES zur Schließung der Heringsfischerei in der westlichen Ostsee kam. Auch wenn der Verband mit einer voraussichtlichen Senkung um 40-60 % vom derzeitigen niedrigen Niveau rechnet, wird das insbesondere die kleine handwerkliche Küstenfischerei in große Probleme, in Existenznöte, stürzen. Ende August wird die EU-Kommission ihre Vorschläge veröffentlichen, die mit Spannung erwartet werden.

In dem Zusammenhang ist auch die Initiative des LVKK mit Werner Kuhn aus dem EU-Parlament mit den 38 Küstenkommunen aus MV zu sehen, die in Brüssel wegen der Heringsfischerei interveniert haben. Der Verband möchte alle Akteure einbeziehen. Sie begrüßte die Forderung des Ministers im Landtag, dass Brüssel und der ICES erklären sollten, warum der Heringsbestand sich nicht erholt. Seine Aussage: „Er habe das Gefühl, dass es mittlerweile den Fischen besser als den Fischern geht“, stimmte sie uneingeschränkt zu. Durch diese trüben Gegenwarts- und Zukunftsaussichten ist die Nachwuchsgewinnung nahezu hoffnungslos. Es gibt keine Verlässlichkeit bei den Quoten und die Bürokratie ist überbordend. Das beste Beispiel dafür ist der Vorschlag der neuen EU-Kontrollverordnung, die wirklichkeitsfremd ist. Die Forderung der Politik an die Fischer sich ein 2. oder 3. Standbein zu schaffen, ist zwar richtig, führt durch den geringen Umsatz mit Eigenfang aber zum Ausschluss von Fördermöglichkeiten (40:60 Regelung). Die neue Movie-App zur Erfassung der Fahrten kleinere Boote ist wie eine Fußfessel. Der Kormoranbestand in MV ist 2017 auf neue Rekordhöhen geklettert. Hier sind koordinierte Maßnahmen vom Bund und Land nötig.

Minister Dr. Till Backhaus sprach anschließend. Er dankte für die Einladung des LVKK und die Möglichkeit in kleinerer Runde sachlich um die Sache zu streiten. Deshalb hatte er auch einige Mitarbeiter aus den Bereichen Fischerei und Naturschutz mitgebracht. Bezüglich der Heringsfangquote in der Ostsee habe er zwar erste Signale aus Brüssel, dass es im kommenden Jahr kein totales Fangverbot geben werde, aber selbst eine weitere Verringerung der Fangquote sei existenzbedrohend. Ihn störe das Hick-Hack mit der Quote von Jahr zu Jahr und der Wechsel der wissenschaftlichen Modelle. Der ICES muss sich kritischen Fragen stellen. Die Abnahme der Fischer von 1300 auf aktuell noch 238 Haupterwerbsfischer in MV bedeutet auch eine erhebliche Verringerung des Fischereiaufwandes. Gegebenenfalls müssen Ausgleichszahlungen den Fischern über die Durststrecke beim Heringsfang hinweghelfen. Beim Dorsch ist eine deutliche Erhöhung der Quote für die westliche Ostsee in 2019 zu erwarten. In den letzten Jahren erbrachte die Küstenfischerei in MV im Durchschnitt 11-13 Mio. Euro Umsatz. Durch die Heringsfischerei wird es in 2019 zu einem starken Einbruch kommen.

Die Zukunft der Fischerei im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sieht der Minister positiv. Die Verträge wurden für die aktiven Fischer um 5 Jahre verlängert. Allerdings müssen auch die Anforderungen an den Nationalpark erfüllt werden, d. h. Nullnutzung in der Kernzone. Mit der Ausbildung ist es in der Fischerei ähnlich wie in der Landwirtschaft ein Dilemma. Der Beruf erfordert hohes persönliches Engagement und ist kein Bürojob, der nach 8 Stunden getan ist. Die Rahmenbedingungen erschweren eine zuverlässige Zukunftsplanung. All das erschwert die Nachwuchsgewinnung. Minister Dr. Till Backhaus, ging auch auf seinen Besuch der Euro Baltic Fischverarbeitungs- GmbH in Sassnitz am Vormittag ein. „Der Zugang zu den britischen Gewässern muss erhalten bleiben“, sagte der Minister. „Davon hänge der Bestand der Hochseefischerei und der Fischverarbeitung in MV ab. So verarbeitet die Euro Baltic mit ihren 230 Beschäftigten jährlich etwa 40.000 Tonnen Nordseehering, zumeist aus britischen Gewässern, und bis zu 10.000 Tonnen Ostseehering. Auch die Schwarmfisch-Trawler, die ihren Heimathafen in Rostock haben und in der Nordsee fischen, beschäftigen 180 Seeleute aus MV“, so der Minister.Kürzlich hatte der Minister ein Treffen mit den Umweltverbänden von MV. Sie vereinbarten ein Eckpunktepapier für einen Managementplan für Robben mit allen Betroffenen zu erarbeiten. Das von Fisch & Umwelt (FIUM) in den nächsten 3 Jahren durchgeführte Monitoring im Greifswalder Bodden, finanziert aus der Fischereiabgabe, dient der Datengewinnung. Des Weiteren sollen präventive Maßnahmen vorgesehen, Schäden ausgeglichen und der gute Erhaltungszustand definiert werden. Er sieht auch eine finanzielle Unterstützung des Bundes zum Ausgleich der Schäden durch Robben und Kormorane. Durch das BMEL soll der gute Erhaltungszustand des Kormorans in MV bestätigt werden, um ein aktives Management beginnen zu können. Minister Backhaus teilte die Auffassung des Verbandes, dass die Regelungen im Entwurf der neuen Kontrollverordnung überzogen seien und versprach starke Gegenwehr.

In der Diskussion um die Zukunft der fischereilichen Nutzung im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft brachten Hiddenseer Fischer ihre Befürchtungen vor. Zwar sind für 5 Jahre die Nutzung der Gebiete genehmigt, aber was wird dann? Sie möchten ihre Betriebe auch danach weiterführen und die nächste Generation ebenso. Da die Bedingungen im Meer jährlich wechseln können und verschiedene Fischer verschiedene Areale nutzen, ist ein dauerhafter Verzicht auf Areale unmöglich. Die Anzahl der Fischer in diesem Bereich ist schon von 250 auf 98 zurückgegangen. Die Fischer möchten keine Entschädigungen, sondern das Recht zu Fischen. Sie erwarten in den nächsten Jahren faire Verhandlungen mit der Nationalparkverwaltung mit dem Ziel die Fischerei auch in Zukunft zu sichern. Die Auswirkungen der ICES-Empfehlungfür die 2019-er Quote für Hering werden sehr negativ gesehen. Es wird zur Existenznot bei vielen Fischern kommen, auch wenn „nur“ eine Senkung zwischen 20-60 % kommt. Und wie Fischer Uwe Krüger aus Ahlbeck sagte, ist es damit nicht genug, auch die fischverarbeitende Industrie, wie in Sassnitz und Freest, kommt in der Folge in Schwierigkeiten. Für die Verarbeitung gibt es aber keine Hilfen. Ein Schwerpunkt der Diskussion waren die Regelungen für die Förderung der Fischerei und Ausgleichszahlungen. Die Rahmenbedingungen sind kompliziert und führen zum Ausschluss von Betrieben, denen es zwar auch schlecht geht, die aber danach keinen Anspruch haben (Seetageregelung, 60:40 Regelung etc.). Ein gutes Beispiel für Bürokratie und Lebensfremdheit ist aus Sicht der Fischer die vorgesehene Änderung der EU-Kontrollverordnung. Bei der Nachwuchsgewinnung gibt es in einigen Bereichen aktuell Mangel an Fischereimeistern, die ausbilden dürfen. Hierzu wurde die Möglichkeit von Sonderregelungen angesprochen. Ausgehend von dem Ziel der EU die kleine handwerkliche Fischerei zu fördern und ihren geringen Quoten und damit geringen Fischereiaufwand sowie Einfluss aufs Meer, wurde ein innovativer Vorschlag gemacht. Derartige Betriebe, die nur für die Direktvermarktung fischen, sollten quotenfrei und mit wesentlich geringeren Auflagen fischen dürfen.

Im Ergebnis des Treffens wurde vereinbart Arbeitsgruppen für folgende Themen zu bilden: Fischerei im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, das Kegelrobben-management (mit den Umweltverbänden), Nachwuchsgewinnung und EU-Kontrollverordnung/Förderung/Ausgleichszahlungen (Bürokratieabbau, insbesondere bei Hoheit des Landes) und Lösungen zu finden. Ilona Schreiber dankte den Gästen mit dem Minister voran und den Fischern für die engagierte Diskussion. Sie wünschte den Arbeitsgruppen viel Erfolg bei der Lösungsfindung.

PM Landesverband der Kutter- und Küstenfischer (LVKK) MV; Thorsten Wichmann LFV MV; Tarnewitz, 3.8.2018