Aktuelle Mitteilungen des Landesfischereiverbandes MV e.V.

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ICES veröffentlicht Fangempfehlung für die Ostsee 2019

- Herings-Fangstopp wie ein Blitz aus heiterem Himmel -

- Dorschbestand in der westlichen Ostsee deutlich verbessert -

Die Heringsfischerei in der westlichen Ostsee steht vor dem Aus. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat heute seine Fangempfehlungen für das nächste Jahr veröffent­licht. Ginge es nach den Wissenschaftlern des ICES, so dürften die Fischer an der deutschen Ostseeküste im nächsten Jahr keinen Hering mehr fangen. Nach den Fangempfehlungen und Vorhersagen der Wissenschaft aus den Vorjahren trifft diese Entscheidung die Fischer wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Dazu die unstrittigen wissenschaftlichen Fakten:

- Der Bestand des westlichen Herings ist seit dem Tiefpunkt im Jahre 2011 kontinuierlich gewachsen. Damals lag die Biomasse des Elterntierbestandes bei gerade mal 73.000 Ton­nen. Mittlerweile ist sie auf 104.000 Tonnen angewachsen, also in sieben Jahren um rund 42 Prozent, mit kontinuierlich steigender Tendenz.

- Die fischereiliche Sterblichkeit (Fänge der Mitgliedsstaaten) lag stets nahe am empfohlenen Schwellenwert für eine nachhaltige Bewirtschaftung Im vergangenen Jahr betrug die erlaubte Fangmenge in der Ostsee nur 17.309 Tonnen. Dazu ein historischer Vergleich: Zwischen 1970 und 1990 wurden allein von der Fischereiflotte der ehemaligen DDR jährlich zwischen 38.000 Tonnen und 72.000 Tonnen entnommen, ohne den Bestand zu überfischen.

- Der Bestand erfüllte in der ICES Empfehlung aus dem Jahre 2015 noch alle Kriterien für eine nachhaltige Bewirtschaftung. Jetzt steht auf einmal alles auf Rot. Die Ursache dafür sind dramatisch erhöhte Zielwerte im Bestandsmodell. So setzte der ICES den Zielwert für die nachhaltige Bestandsbiomasse von 110.000 Tonnen auf 150.000 Tonnen und beim Vorsorgeansatz den Limit-Referenzpunkt für die Biomasse des Elterntierbestandes von 90.000 Tonnen auf 120.000 Tonnen. Das ist eine Erhöhung innerhalb eines Jahres um 33 % ohne erkennbare Begründung. Nach Einschätzung der Fischer hat sich draußen gar nicht viel geändert. Diese Veränderung der Bestandsparameter erscheint willkürlich.


- Die Familienbetriebe der Heringsfischer würden eine einjährige Fangpause nicht überstehen. Sie können mit ihren kleinen Booten nicht einfach auf etwas anderes ausweichen. An der Küste macht sich Fatalismus breit: „Die sozialistische Planwirtschaft hat über Jahrzehnte ein besseres Ergebnis gebracht als die Managementpläne der EU“, meinte ein frustrierter Küstenbewohner, der nicht genannt werden möchte.

Nach dem derzeit in der Ostsee geltenden Mehrjahresplan ist eine Verringerung der Fangmenge um 22 Prozent möglich. Wieviel es tatsächlich wird, werden die europäischen Fischereiminister erst auf ihrer Ratssitzung im Oktober entscheiden.

Wesentlich besser sieht es für die Fischerei auf den anderen Brotfisch der deutschen Küstenfischer an der Ostsee, den Dorsch, aus. Beim Dorsch in der westlichen Ostsee hat sich der Elterntierbestand seit seinem Tiefpunkt im Jahre 2013 verdoppelt und wird innerhalb des nächsten Jahres den Limit-Referenzpunkt für die Biomasse des Elterntierbestandes nach Vorsorgeansatz überschreiten. Der ICES empfiehlt hier eine deutliche Anhebung der Gesamtfangmenge um mehr als 100 %. Für die Dorschfischer entspannt sich die schwierige Lage.

Zudem werden auch bei der Scholle und der Sprotte Quotenanhebungen empfohlen. Die Empfehlungen für die wichtigsten Bestände für die deutsche Fischerei sind in der Tabelle ersichtlich.

 

Tab.:      Fangempfehlungen für die für die deutsche Küstenfischerei in der Ostsee wichtigen Bestände im Überblick:

 

EU-Gesamt-fangmenge 2018

Deutsche Quote 2018

Empfohlene EU-Gesamt-fang-menge 2019

Resultie-rende Deutsche Quote 2019

Anpassung 2018/2019

 

in Tonnen (t)

 

Hering
westliche Ostsee (Gebiete 22-24)

17.309

9.559

0

0

-100 %

Hering
östliche Ostsee (Gebiete 25-29)

229.355

1.338

155.333

906

-32 %

Dorsch
westliche Ostsee (Gebiete 22-24)

5.597

1.194

13.267

2.830

+137 %

Dorsch
östliche Ostsee (Gebiete 25-32)

28.388

2.594

16.685

1.525

-41 %

Scholle

7.076

563

14.160

1.127

+100 %

Sprotte

304.900

16.393

301.125

16.190

-1 %

Kontakt: Claus Ubl 0176 – 832 10 604; PM Deutscher Fischerei-Verband e.V.; 20459 Hamburg