Aktuelle Mitteilungen des Landesfischereiverbandes MV e.V.

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Alt Schlagsdorf : Große Sorgen der kleinen Fischer

Walter Piehl wünscht sich mehr Anerkennung für heimische Produkte und sein Handwerk

„Eigentlich sitzen wir ja alle in einem Boot“, sagt Fischer Walter Piehl am Abschluss einer Predigt über die Zuschüsse für die Landwirtschaft und die fehlende Lobby seines Handwerks. Nicht nur die Acker-, Milch- und Schweinebauern hätten in diesen heißen Wochen berechtigte Sorgenfalten auf der Stirn. „Auch an uns Fischern geht diese Hitzeperiode nicht spurlos vorbei“, sagt er und spricht von zu niedrigen Sauerstoffgehalten in den Seen, sensiblen Fischarten und sinkenden Nachfragen an den rollenden Frische-Theken. „Ist es zu heiß, fahren die Leute an den Strand. Und auf den Grill packen sie statt Fisch lieber Fleisch“, sagt Walter Piehl – er hat gleich eine ganze Liste an Rezept-Vorschlägen in petto: Es müsse nicht immer Lachs sein. „Eine schöner Barsch oder eine Maräne vom Grill sind super“, versichert er und betont noch einmal: „Fast jeder Fisch hat Gräten, die muss ja auch niemand mitessen“.

Der Alt Schlagsdorfer hat den Landwirten aber etwas voraus: „Ich muss meine Ware direkt zum Kunden bringen und kann dafür zur Not ein paar Kilometer mehr fahren.“ Der Bauer müsse sich am Weltmarkt orientieren. Die Preise seien fest – ob nun schlecht oder annehmbar. „Viele Verbraucher sind einfach nicht ehrlich zu sich selbst. Sie fordern Regionalität und fragen an der Theke nach Seelachs. Das passt doch nicht zusammen“, moniert der Fischer. Ebenso wenig kann er verstehen, warum sich die Politik immer wieder für den Erhalt des Handwerks und der kleinen Betriebe ausspricht, dann aber nichts gegen deren „größte Feinde“ ausrichtet, so der 61-Jährige. „Ob nun Bürokratie, Fischotter oder Kormoran – alles würde stetig mehr werden. Echte Fischer hingegen weniger. „Keiner macht etwas. Das ist wie sehenden Auges auf die Wand zu laufen und kurz vor dem Aufprall noch einmal beschleunigen“, macht Walter Piehl seinem Unmut Luft. Einen Ausweg aus der Misere? Fehlanzeige. Die Fischer im Land hätten nicht nur wenig Kunden, sondern auch keine wirkliche Lobby.

Seinen Umsatz macht Piehl unter anderem in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Er reise den Kunden teilweise hinterher. Zudem wäre die Wertschätzung für Fangfisch größer. Kaum jemand diskutiere über die Preise. „In diesen Bundesländern gibt es so gut wie keine Fischer mehr. Körperlich schwere Arbeit, die kaum noch jemand machen, erst recht nicht bezahlen will“, erklärt er. Der Alt Schlagsdorfer hat Glück. Sein Sohn macht es ihm gleich, ist Fischer geworden. „Ich beneide ihn nicht um die heutigen Zukunftsaussichten“, sagt Piehl.

Quelle: https://www.svz.de/20433002 ©2018

SVZ.de; Katja Müller, 13.7.2018, 21:00 Uhr