Aktuelle Mitteilungen des Landesfischereiverbandes MV e.V.

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EU-Kommission legte Vorschläge für die Ostseequoten 2019 vor

EU-Kommission legte Vorschläge für die Ostseequoten 2019 vor

-       Von Unverständnis bis Empörung: Beim Westdorsch nur 31 % plus

-       Kürzung beim Westhering 63 %

-       Bundesregierung plant Fortsetzung der Beihilfe

Pünktlich Ende August legte die EU-Kommission die Vorschläge für die Fangmengen im nächsten Jahr in der Ostsee vor. Über die Vorschläge des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) hatte das Fischerblatt bereits berichtet. Schon diese waren ein Wechselbad der Gefühle, was die beiden Brotfische der deutschen Küstenfischerei betraf. So könnten zwar nach der Empfehlung des ICES die Fangmengen für den Westdorsch durchaus um 200 Prozent steigen, für den westlichen Hering empfahlen die Wissenschaftler jedoch ein Fangstopp. Also keine Aussicht auf Besserung der Lage für die Küstenfischer an der deutschen Ostseeküste.

Viele nationale Politiker hatten sich daraufhin in Brüssel für die Fischerei stark gemacht. Denn der westliche Heringsbestand ist in den letzten Jahren nicht zusammengebrochen, vielmehr war sein Bestand stabil bis leicht ansteigend. Allerdings hat er ein Nachwuchsproblem, glaubt man den Wissenschaftlern des Thünen Institutes für Ostseefischerei. Die ICES Wissenschaftler haben deshalb das Bestandsmodell einer Prüfung unterzogen und kamen zu dem Schluss, dass man die Grenzwerte um ein Drittel nach oben setzen müsse. Für den Bestand bedeutete dies, dass er zwar immer noch dieselbe Größe wie im Vorjahr von etwa 104.000 Tonnen hat, aber dass er sich durch die Grenzwertanhebung nun im tiefroten Bereich befindet. Über Sinn und Unsinn so einer Modellüberarbeitung ist in den letzten Wochen viel diskutiert worden, und auch in Brüssel hat man inzwischen wohl erkannt, dass man die kleine Küstenfischerei nicht einfach für ein zwei Jahre ausschalten kann und dann einfach wieder anschaltet. Darum gab es bereits vor dem Vorschlag der Kommission Signale aus Europa, die sagten: Eine Null-Quote wird es nicht geben.

Die Ausgangslage beim westlichen Dorsch sah dagegen besser aus. Hier hat sich durch den starken Nachwuchsjahrgang 2016 der Bestand wieder erholt und wird voraussichtlich im nächsten Jahr komplett in den grünen Bereich gelangen. Die ICES Wissenschaftler haben empfohlen, die Fangmengen für das nächste Jahr deutlich zu erhöhen. Unter der Annahme, dass die Verteilung im Mischgebiet 24 genauso ist wie im letzten Jahr, hat der ICES eine Quotenerhöhung zwischen 115 und 289 % empfohlen. Selbst bei konservativer Herangehensweise sollte also eine Erhöhung von mindestens 100 % möglich sein.

Nun legte die EU-Kommission also ihren Vorschlag vor. Ginge es nach dem Willen der Kommission, dann würden die Fangmengen für den Hering in der westlichen Ostsee um 63 % gesenkt werden und beim Dorschbestand der westlichen Ostsee gerade einmal um 31 % ansteigen. EU-Kommissar Vella sagte zu dem Vorschlag: „Wir schlagen ein ausgewogenes Paket vor, das eine nachhaltige Befischung der Ostsee gewährleistet. Die gute Nachricht ist, dass die wichtigen Fangquoten für Dorsch in der westlichen Ostsee wieder erhöht werden können, nachdem die Fischer einige harte Jahre ertragen mussten. Aber die Opfer haben sich gelohnt, denn der Bestand erholt sich. Wie üblich ergibt sich ein gemischtes Bild, denn im Gegenzug müssen wir in diesem Jahr die Quoten für Hering in der westlichen Ostsee verringern, damit dessen Bestände sich ebenfalls erholen können.“

Auf Seiten der Fischerei stößt dieser Vorschlag auf Unverständnis. Die Dorschfischer hatten die EU Entscheidungen mitgetragen, dass die Quoten vor zwei Jahren um 56 % gesenkt wurden. Nun hat sich der Bestand aber wieder aufgebaut und eine 31%ige Erhöhung spiegelt diesen Bestandsaufbau nicht annähernd wieder. Zudem würde die deutsche Quote gerade einmal 57 % der Fangmenge entsprechen, die noch im Jahre 2016 gefischt werden konnte, und bereits davor hatte es mehrere Quotensenkungen gegeben. Die Dorschfischer werden demzufolge auch das nächste Jahr nicht ohne zusätzliche Ausgleichszahlungen überstehen, und das bei einem deutlich gestiegenen Dorschbestand. Beim Hering kann man indes nur auf eine Anerkennung veränderter Umweltbedingungen hoffen und darauf, dass der ICES sein Modell noch einmal überprüft und die Grenzwerte wieder absenkt. Das MSC-Siegel haben die Fischer mittlerweile bereits verloren.

Das einzig positive am Kommissionsvorschlag ist, dass keine Null-Quote für den westlichen Hering vorgeschlagen wurde. Auch zum Aal kann man nichts in dem Vorschlag lesen. Das kann wiederum aber auch heißen, dass, wie im letzten Jahr, Schonzeiten für alle Küstengewässer der EU oder darüber hinausgehende Maßnahmen beim Dezemberrat beschlossen werden könnten. Die Vorschläge von der Kommission für die Nordsee bzw. die anderen EU-Gewässer liegen derzeit noch nicht vor.

Claus Ubl, DFV, Hamburg, 24.9.2018